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Date: Von Michèle Roten

Er: Oh! Hey!
Sie: Du bist offensichtlich immer noch handylos.
Er: Ja! Ich finds eigentlich ganz angenehm.
Sie: Schön für dich.
Er: Willst du reinkommen?
Sie: Ja, nur kurz, ich war grad in der Gegend und, eben, weil du kein Handy... ich dachte, wir sollten mal noch ein bisschen besprechen... wegen...
Er: .. wegen...?
Sie: ... na ja, halt so Grundsätzliches...
Er: Grundsätzliches! So früh am morgen! (Er knackst mit den Fingern.) Okay! Willst du einen Kaffee?
Sie: Gern.
(Er hantiert mit einer Filterkaffee-Vorrichtung, wägt Bohnen ab, mahlt sie.)
Sie: Filterkaffee?
Er: Alles andere wäre schade um diese Bohnen.
Sie: Sie die irgendwie speziell?
Er: Sehr speziell! In Ethiopien handverlesen, nur die reifen roten Früchte gepflückt, in Maur geröstet... der verhält sich zu normalem Kaffee etwa wie Champagner zu Pesca Frizz.
(Er schenkt ihr ein.)
Sie: Sieht aber aus wie Tee.
Er: Du musst dich jetzt kurz von dem verabschieden, was du bisher unter Kaffee verstanden hast.
Sie: Könnte ich etwas Milch dazu haben?
Er: Ungern!
Sie: Na gut.
(Sie trinkt. Räuspert sich.)
Sie: Eben. Wegen... vorgestern.
Er: Genau.
Sie: Genau. Also. Du weisst ja vielleicht, dass ich... in einer Beziehung bin.
Er: Ja?
Sie: Und deshalb, also... es wär nicht so gut, wenn das jetzt allzu viele erführen. Von uns. Also, nicht „uns“ im Sinne von wir sind ein wir, aber dass wir... das ist das erste Mal, dass ich schwarzen Kaffee mag. Der ist gar nicht so bitter wie sonst.
Er: Sag ich doch.
Sie: Verstehst du, was ich meine?
Er: Ich hab Jahre gesucht nach so einem Kaffee!
Sie: Nein, ich meine das andere.
Er: Klar. Ich lösche den Tweet.
Sie: Haha. Ich meins ernst.
Er: Alles gut.
Sie: Okay.
Er: Total.
     (Sie trinken.)
Er: Musst du gleich wieder weg?
Sie: Nein.