The Black & Blaze Coffee Roasting Company hat im
historischen Rosenhof-Gebäude in Ebmatingen ihre beiden Tore
geöffnet. Der in der Forch wohnhafte Zürcher Fotograf und
leidenschaftliche Kaffeetrinker Claude Stahel hat sich mit
seiner Mikrorösterei nicht nur einen Traum erfüllt, er will
zugleich auch seine Passion einem breiten Publikum schmackhaft
machen und die Leidenschaft für aussergewöhnlichen Kaffee
wecken. Wir haben nachgefragt.
Wie kommen Sie auf die Idee, Kaffee zu rösten? Gibt es
nicht ausreichend Kaffee in der Schweiz?
Wenn Sie so viel schlechten und lieblos zubereiteten
Airport-Kaffee getrunken haben wie ich, dann wissen Sie, dass
es auch anders geht. Haben Sie gewusst, dass Kaffee, nebst
Erdöl, einer der am meisten gehandelten Rohstoffe der Welt ist?
Erstaunlich, nicht? Auf meinen vielen Reisen durch die ganze
Welt habe ich die besten Kaffees in kleinen Coffeeshops
getrunken und mich die Jahre über immer wieder gefragt, warum
sich diese so extrem von der Masse unterscheiden. Die Antwort
fand ich in Capetown, in New York, in Berlin … «Wir rösten
selber und wir beziehen unsere Kaffeesorten aus einer
Microroastery», haben alle unisono bestätigt.
Microroastery? Was genau ist das? Und warum soll der Kaffee
besser sein?
Der entscheidende Unterschied zwischen einem industriell
gerösteten Kaffee und einem Kaffee, der in einer Kleinrösterei
produziert wird, ist neben der Bohnenqualität auch die Frische.
Der Kaffee ist nach dem Rösten – ähnlich dem Wein – noch zu
unausgeglichen und erreicht sein volles Aroma erst nach dem
Ausgasen des CO2. Das heisst, zirka nach Ablauf einer
Woche. Konsumiert werden müsste er binnen 4 Wochen, auch wenn
das Ablaufdatum nach Vorschriften sechs bis zwölf Monate
beträgt. Und genau das ist die Antwort darauf, warum eine
Microroastery als David gegen Goliath bestehen kann. Nebst dem
Fakt, dass die Industrie Tonnen verarbeiten muss und diese in
drei bis vier Minuten auf ein standardisiertes Dunkelbraun
röstet, kann eine Microroastery den Kaffee liebevoll in 15 bis
20 Minuten langsam auf den gewünschten Röstgrad
verarbeiten.Dabei werden die schlechten Säuren, die jede Bohne
in sich trägt, langsam abgebaut. Dieser Prozess fängt erst nach
zehn Minuten an. Daher wird oft dem Koffein die Schuld an der
Unverträglichkeit in die Schuhe geschoben und nicht den durch
die schnelle Röstung noch vorhandenen Chlorgensäuren.
Wie haben Sie angefangen?
Meine erste Röstmaschine war in meinem Fotostudio in Zürich
installiert. Wenn ich sechs Kilo Kaffee herstellen musste, dann
röstete ich den ganzen Tag, und das nicht immer zur Freude
meiner Studiopartner. Eine Schweizer Röstmaschine der
Firma Bühler aus Uzwil löste mein Problem. Bis 20 Kilo
Rohkaffee kann diese moderne Weiterentwicklung einer
italienischen Maschine verarbeiten. Im Vergleich zu einer
Industriemaschine, die pro Stunde x Tonnen produziert, ist das
natürlich ein Klacks.
Im letzten Februar reiste ich nach Tanzania an die East
African Coffee Conference, um noch mehr über das Produkt Kaffee
zu erfahren. Dieses jährliche Meeting der Kaffeeindustrie war
sehr wichtig, um auch den Einkauf und die Menschen in diesem
Geschäft kennenzulernen.
Es macht mir Freude, wenn ich in Brooklyn eine Microroastery
besuche und der Chefröster und ich von Memo Simons, einem
Rohkaffeehändler aus Amsterdam, plaudern. Mit Memo musste ich
in Arusha, nahe dem Kilimanjaro, über fünf Stunden auf unser
vermisstes Propellerflugzeug nach Nairobi warten. Wissen Sie,
das Faszinierende für mich ist, dass jeder Schluck Kaffee –
egal, woher er stammt, egal, wie gut er ist–mir eine Geschichte
erzählt. Meine fängt in Ebmatingen an.